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IR-Letter: Der Entry Standard - Chance für innovative Unternehmen

Der IR-Newsletter vom Januar 2006
Die Onlinepublikation rund um Investor Relations und Finanzkommunikation

Herausgegeben von Susanne Ackstaller - http://www.ackstaller.de




Über Edmund Krix dürfte in der ersten Januarwoche jeder gestolpert sein, der die Nachrichten aus der Frankfurter Börse verfolgte. Der Gründer der Nanotech-Firma Neosino AG brachte seine junge Firma in diesem Jahr als erstes Unternehmen an die Börse. Und er startete mit phänomenalem Erfolg: Ausgegeben zu 55,55 Euro, stieg die Neosino-Aktie mittlerweile auf rund 140 Euro an.

Dieser grandiose Senkrechtstart gelang dem hessischen Unternehmen im Entry Standard, dem neuen Marktsegment im Freiverkehr der Deutschen Börse. Viele der 23 Unternehmen, die im erst Ende Oktober gestarteten Segment notiert sind, verzeichneten seitdem überdurchschnittliche Kurssteigerungen. Insgesamt legte der ES-Index seit Start um über 30 Prozent zu (zum Vergleich: DAX + 22 Prozent, MDAX + 13 Prozent).

Doch was ist der "Entry Standard" überhaupt? Die Deutsche Börse richtete das neue Marktsegment innerhalb des Freiverkehrs (der jetzt "Open Market" heißt) ein, um jungen, aber auch etablierten mittelständischen Unternehmen einen kostengünstigen Zugang zum Kapitalmarkt zu bieten. IPO-Berater gehen davon aus, dass die Emissionskosten um 30 bis 50 Prozent unter denen des geregelten Marktes liegen. Außerdem lockt der ES mit niedrigeren regulatorischen Anforderungen als im geregelten Markt.

Mit dem ES positionieren sich die Unternehmen auf einer neuen Qualitätsstufe - quasi zwischen dem General- und Prime-Sektor und dem restlichen Freiverkehr, in dem rund 190 deutsche Unternehmen gehandelt werden. Die Transparenzanforderungen sind deutlich geringer als im General-/Prime-Sektor, aber auffallend höher als im Freiverkehr. Damit werden vor allem erfahrene und institutionelle Anleger angesprochen, die positiv auf tiefere Informationen reagieren, aber gleichzeitig auf den umfassenden Anlegerschutz des General-/Prime-Standard verzichten können.

Um im ES starten zu können, müssen Unternehmen weniger formale Zulassungskriterien erfüllen als im geregelten Markt:

- Die Einbeziehung erfolgt auf Antrag eines an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse registrierten Handelteilnehmers.
- Ein von der Aufsichtsbehörde geprüftes und gebilligtes Prospekt wird nur bei öffentlichen Angeboten benötigt. Bei Privatplatzierungen an ausgewählte Investoren (wie bei der Neosino AG) reicht ein nicht öffentliches Exposé aus.

Nur auf der eigenen Website müssen veröffentlicht werden:

- wesentliche Unternehmensnachrichten oder Tatsachen, die den Börsenpreis beeinflussen könnten,
- der testierte Jahresabschluss samt Lagebericht (entweder national HGB oder international IFRS (siehe dazu auch IR-Newsletter vom Januar 2005: http://www.ackstaller.de/wirtschaftstexter/8_0_1_0_C/)) spätestens innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung des Berichtzeitraums,
- das jährlich aktualisierte Unternehmensprofil sowie der Unternehmenskalender,
- ein Zwischenbericht innerhalb von drei Monten nach dem 1. Halbjahr eines jeden Geschäftsjahres.

Ob diese Veröffentlichungspflichten eingehalten werden, überwacht der FWB-Handelsteilnehmer; außerdem muss ein Listing-Partner der Deutschen Börse das Unternehmen vor, während und nach der Notierungsaufnahme betreuen.

Für die Erstellung eines Geschäftsberichts (Minimumanforderung sind Jahresabschluss und Lagebericht) haben ES-Emittenten deutlich mehr Zeit als im geregelten Markt: Der ES erwartet den Bericht erst sechs Monate nach Berichtsjahresende (statt drei im geregelten Markt). Dadurch haben die Börsenneulinge ausreichend Zeit, ihre Ergebnisse optimal darzustellen. IPO-Berater empfehlen übrigens, bei der Erfüllung dieser Regulierungsvorschrift auf Experten-Unterstützung zu setzen - zu schnell können leicht vermeidbare Fehler den Gesamtauftritt des Emittenten stören.

Analysten gehen davon aus, dass sich künftig mehr Unternehmen für eine teure Prospekterstellung entscheiden werden - zum einen, weil Investoren viel Wert darauf legen, zum anderen vereinfacht es die Kommunikation. Die ersten im ES gelisteten Newcomer kündigten bereits an, dass sie ein Prospekt nachreichen wollen. Edmund Krix gehört nicht dazu. Der Neosino-Chef, der 18 Mitarbeiter beschäftigt und im letzten Jahr 700.000 Euro Umsatz einfuhr, setzte vollständig auf eine Privatplatzierung ohne Prospekt - und fuhr damit sehr gut.

Ähnliche Erfolgsstories könnten folgen: Experten schätzen, dass zwischen 40 und 100 Unternehmen über ein IPO in diesem Jahr nachdenken - und die meisten werden sich erfahrungsgemäß im Freiverkehr listen lassen.


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Welche Regularien konkret beim Eintritt in den Entry Standard beachtet werden müssen, lesen Sie hier:
http://deutsche-boerse.com (pdf-Format)

Wie sich der Entry-Standard-Index entwickelt und welche Unternehmen darin gelistet sind, haben Sie hier im Blick:
http://deutsche-boerse.com

Wenn Sie aktuelle Informationen zum Entry Standard suchen, werden Sie hier fündig:
http://news.google.de/news




Danke für Ihr Interesse am IR-Letter von Susanne Ackstaller! Anregungen und Ihr Feedback nehme ich unter susanne.ackstaller@ackstaller.de gerne entgegen.

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Eine gute und erfolgreiche Zeit wünscht Ihnen

Susanne Ackstaller

24.01.2006 | 0 Comments (1031) |




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